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Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp

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Ein Beitrag von Eva Liebchen

Die Gedenktafel für Theodor Heuss am Haus in der Fregestraße 80

Die Gedenktafel für Theodor Heuss am Haus in der Fregestraße 80

Wohl einer der berühmtesten ehemaligen „Friedenauer“ ist der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss. Er wohnte von 1918 bis 1930 mit seiner Frau Elly in einer 6-Zimmer-Wohnung des Hauses Fregestraße 80. Eine Gedenktafel über dem Hauseingang weist heute darauf hin. Er war in dieser Zeit (1919 – 1929) Bezirksverordneter von Schöneberg, beruflich Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin (bis 1933). Später sagte er einmal: „An keinem anderen Ort habe ich so dauerhaft gewohnt und gearbeitet wie in Berlin ...“

Da das Leben seiner Frau Elly jedoch weit weniger bekannt ist als das ihres Mannes, soll hier einiges aus ihrer Friedenauer Zeit erwähnt werden: Besondere Bedeutung hatte für sie die Begegnung mit dem damaligen evangelischen Pfarrer Otto Dibelius, dessen Gemeinde sich in Schöneberg befand. Sie beteiligte sich an der Gemeindearbeit, unterstützte das caritative Wirken der Heilsarmee und wird, als die Idee der „Nachbarschaftshilfe“ entsteht, ehrenamtliche Wohlfahrtspflegerin in ihrem Wohnbezirk. Als Lehrerin im Pestalozzi-Fröbel-Haus in Schöneberg erteilte sie Unterricht in Sozialpädagogik, Staatsbürgerkunde und Deutsch. Sie hielt Vorträge und war Mitarbeiterin beim Rundfunk.


 

 

In ihren Briefen scheint manchmal ein Stück Friedenau hindurch:

„Am Montag Wohnungssuche .... Am nächsten Tag ging der Theodor auch mit, und nun haben wir sie gemietet. Erster Stock, sechs Zimmer, Warmwasserversorgung und Heizung, kein Gegenüber, Bäume vor dem Haus, freier Blick auf das Rathaus Friedenau und davor ein kleiner Markt ( zweimal in der Woche), hinten hinaus ein sehr weiter Hof mit etwas Rasen und Büschen. Sehr sonnig. Warmwasser sogar im Schlafzimmer, elektrisches Licht etc., vorn Balkon an meinem Stübchen (das jetzt aber eine gute Stube wird) und einer hinten am Lulu-Schlafzimmer. Die Wohnung ist frei, wir können im März alles herrichten und einziehen.“ (06.12.1917)

„Ich lebe so still und häuslich, genieße das grüngoldene Sonnenlicht, das die hohen Bäume vor unseren Fenstern schenken, und merke nichts von Berlin.“ (13.06.1919)

„Das Leben ist hier in den letzten sechs Wochen um ein Drittel teurer geworden ... Wir gehen mit dem Gedanken des Zimmervermietens um, wenn nicht eine neue Einnahmequelle sich öffnet ...“ (03.07.1920)

„Der Gedanke der ‚Nachbarschaftshilfe‘ wird jetzt in jedes Haus gebracht, in den Mieterversammlungen, wo seither nur  über Kohlenbeschaffung und Müllabfuhr geredet wurde, wird sie organisiert. Unser Nachbarhaus hier erhält ein altes Ehepaar vollständig durch freiwilliges Abgeben von Essen.“ (29.11. 1923)

In der Zeit der Hitlerdiktatur arbeitete Theodor Heuss – gelernter Politikwissenschaftler und Journalist – wie schon in seinen beruflichen Anfangsjahren als Redakteur für verschiedene Zeitungen, erhielt 1942 Berufsverbot, arbeitete jedoch weiter unter Pseudonymen. Nach 1945 ernannte ihn die amerikanische Militärregierung zum Kultusminister in Württemberg-Baden, später gehörte er weiter dort dem Landtag an. 1948 wurde er Vorsitzender  der  neu gegründeten FDP und 1949 zum Bundespräsidenten gewählt. Ein Amt, das er bis 1959 innehatte.

Seine Frau Elly gründete 1950 das Müttergenesungswerk. Sie starb 1952, Theodor Heuss 1963. Beide liegen in ihrer Heimat in Stuttgart auf dem Waldfriedhof begraben.

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