Friedenau-Panorama mit dem Friedenau-Netzwerk-Logo

Szczepan Twardoch "Demut"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Mai 22

Demut

Szczepan Twardoch

Übersetzt von Olaf Kühl

Rowohlt Verlag, 25 Euro

 

Twardoch, preisgekrönter Schriftsteller aus Oberschlesien, ist auch den deutschen Leser:innen kein unbekannter mehr. Mit „Morphin“, „Drach“ spätestens aber seit den großartigen Romanen „Der Boxer“ und „Das schwarze Königreich“ hat er sich einen Namen gemacht.

Sein neues Buch „Demut“ erzählt die Geschichte von Alois Pokora, einem jungen Soldaten, der die grauenhaften Erlebnisse während des 1. Weltkriegs nicht verwinden kann. Doch viel Zeit sich mit seinen Traumata zu beschäftigen, bleibt ihm nicht, denn in Berlin gerät er in den Strudel der Wirren der jungen Räterepublik. Er schließt sich den Spartakisten um Liebknecht und Luxemburg an. Doch so eindeutig ist seine politische Richtung nicht, auch ob er sich mehr als Deutscher oder als Pole oder gar als Schlesier fühlt, das hängt immer auch ab von den Menschen um ihn herum.

Er, aus einer armen Bergarbeiterfamilie stammend, als Kind vom Vater übersehen und von Mitschülern gemobbt, dann aber als erster der Familie Student, lässt sich oft treiben und in verschiedene Richtungen drängen. Deutsche Nationalisten wollen ihn, Träger des Eisernen Kreuzes, ebenso wie polnische für die nationale „Sache“ gewinnen – doch mehr als Politik interessiert ihn seine Jugendliebe Agnes. Man versteht bald, dass ihm diese sicher nicht guttut, doch er selbst versteht es lange nicht. Und dann als er es versteht, ist es zu spät – oder doch nicht?

Twardoch gelingt es, in seiner unnachahmlichen bildmächtigen Sprache hautnah Geschichte zu vermitteln, packende Figuren zu zeichnen und uns Lesende mitzunehmen und in einen Strudel der Gefühle, der Widersprüche zu werfen. Was Twardoch von vielen anderen Schriftstellern unterscheidet, ist seine Drastik, seine Wucht und sein kompromissloser Stil. Ein Ausnahmetalent!

Elvira Hanemann

Zurück zu den Buchempfehlungen