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Kaisertreuer Schöneberger – Reinhold Begas

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Ein Beitrag von Eva Liebchen


Jacob Hilsdorfs Portraitfoto (aus dem Jahr 1911) des Schöneberger Bildhauers Reinhold Begas

 

Reinhold Begas, nach dem die Schöneberger schon 1892 eine Straße in Friedenau benannten, zählte in der Kaiserzeit zu den bekanntesten und produktivsten Bildhauern.

33 seiner zahlreichen Werke können wir noch heute in unserer Stadt bewundern, z.B. das Schiller-Denkmal auf dem Gendarmenmarkt (1871), das A. v. Humboldt-Denkmal vor der Universität und den Neptunbrunnen auf dem Alexanderplatz (1891). Im Deutschen Historischen Museum, wo 2011 erstmals seit 100 Jahren wieder eine Ausstellung über ihn lief, sieht man ihn künstlerisch auf gleicher Höhe mit seinen preußischen Vorläufern Schlüter, Schadow und Rauch.

In seiner frühen Schaffensphase war Begas mit seiner damals als revolutionär empfundenen Überwindung des Klassizismus stilbildend für den Berliner „Neubarock“. Später wurde dem Künstler sein enges Verhältnis zu den Hohenzollern zum Verhängnis. Er erhielt monumentale Staatsaufträge Kaiser Wilhelms II., die jedoch schon bei den Zeitgenossen umstritten waren. Sie dienten allein der Repräsentation der Hohenzollern-Monarchie.

 


 

 

Nach dem zweiten Weltkrieg begann die politisch gewollte Zerstörung der Monumente der preußischen Monarchie in Ost- und Westdeutschland. Die Zerstreuung seines Nachlasses unmittelbar nach seinem Tod trug außerdem dazu bei, dass Begas in Vergessenheit geriet.

Reinhold Begas wurde als Sohn einer Künstlerfamilie 1831 in Schöneberg geboren. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er an der Berliner Akademie und arbeitete danach von 1848 bis 1855 im Atelier von Christian Daniel Rauch. Nach Aufenthalten in Rom und Weimar kehrte er nach Berlin zurück und lehrte an der Berliner Kunstakademie.

Er war in Berlin und ganz Deutschland bekannt, sein Gesicht prangte auf Kaffee- und Zigarettenwerbung. Und Berliner Illustrierte Zeitungen wählten ihn zum „bedeutendsten Deutschen des ausgehenden Jahrhunderts“. Zu seinen aufwändigsten Werken zählen Denkmäler für Kaiser Wilhelm I. und Bismarck (am Großen Stern), zu seinen populärsten unzählige Porträtbildnereien von prominenten Honoratioren und zu seinen besten die Sarkophage Kaiser Friedrichs III. und dessen Frau Viktoria (im Mausoleum der Friedenskirche in Potsdam).

1911 starb er verbittert, nachdem der unter seiner Leitung entstandene Skulpturenpark in der Siegesallee von Kritikern verrissen worden war und er dadurch auch bei Hofe in Ungnade fiel. Reinhold Begas ist auf dem Alten Kirchhof der Zwölf-Apostel-Gemeinde in der Schöneberger Kolonnenstraße beigesetzt (Abt.2-7-13/14).

 

Bildnachweis: Wikipedia, Foto von Jacob Hilsdorf (1872 - 1916)

 

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