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Der Oktober-Tipp der Buchhandlung Thaer: Synke Köhler "Die Entmieteten"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

Thaer Okt 19

 

Synke Köhler, Die Entmieteten

Satyr Verlag

23 Euro


Synke Köhler, 1970 in Dresden geboren, studierte Psychologie, schreibt Texte u.a. für den Freitag, für die TAZ und für Literaturzeitschriften. Sie lebt heute in Berlin.
Mit ihrem Debütroman „Die Entmieteten“ trifft sie mit ihrer Thematik nicht nur einen Nerv der Zeit, sondern sie überzeugt auch literarisch.

Ein Mietshaus im Prenzlauer Berg soll abgerissen werden, damit Platz für lukrativere Bauten entsteht. Doch noch wohnen Menschen in diesem Haus und nicht alle möchten auf das Angebot eingehen, in andere, meist teurere und von der Innenstadt entfernte Wohnungen umzuziehen. Die Mieter schließen sich zusammen und wehren sich mit den unterschiedlichsten, zum Teil sehr kreativen Aktionen gegen den geplanten Abriss.

Der Roman schlägt einen inhaltlichen Bogen von der Vorwendezeit bis mitten hinein ins heutige, gentrifizierte Berlin, er erörtert die damit verbundenen Problematiken, wie etwa die Vertreibung alter Menschen aus ihrer vertrauten Umgebung, über die Unmöglichkeit vergleichbare Wohnungen zu akzeptablen Preisen zu finden und die oft üblen Praktiken, Menschen aus ihrem Zuhause herauszugraulen. Was für mich aber den Kern des Buches ausmacht, das ist die Art und Weise wie Synke Köhler die Bewohner des Hauses, ihre Beziehungen zu und untereinander, ihre Vergangenheiten lebendig werden lässt. Der alternde DDR-Rockstar, die junge Studentin, der umtriebige Journalist, zwei alte Ehepaare sowie die Maklerin, die die Bewohner zum Auszug bewegen soll, alle sind interessante Menschen mit glaubhaftem Eigenleben.

Zwischen spitzem Humor, realistischer Situationsdarstellung und Melancholie wechselnd schreibt sie einen sowohl spannenden wie feinfühligen Roman, dem man an keiner Stelle anmerkt, dass er ein Erstling ist. Ein engagiertes Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.

Elvira Hanemann

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