Friedenau-Panorama mit dem Friedenau-Netzwerk-Logo

Die April-Empfehlung der Buchhandlung Thaer: Jean Stafford, "Die Berglöwin"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer April 20

Jean Stafford

Die Berglöwin

Übersetzung: Adelheid und Jürgen Dormagen

Dörlemann Verlag

25 Euro

 

Jean Stafford, 1915 in Kalifornien geboren, war Pulitzerpreisträgerin. Obwohl „Die Berglöwin“, (1947) von der Kritik enthusiastisch besprochen wurde, ist es mittlerweile lange vergessen. Ich muss gestehen, dass mir weder die Autorin noch das Buch bekannt waren. Umso schöner, dass der Dörlemann Verlag diesen bemerkenswerten Roman nun neu veröffentlicht hat. Und das nicht nur in einer sehr schön gestalteten Ausgabe, sondern auch noch in einer hervorragenden Übersetzung!

Die Geschwister Ralph, 10 Jahre, und die 8-jährige Molly bilden das Zentrum der Geschichte. Die beiden leben mit ihrer sehr an Konventionen gebundenen Mutter und zwei älteren, nur auf Äußerlichkeiten bedachten Schwestern. Sie fühlen sich – und sind es tatsächlich – unverstanden. Allein der geliebte Großvater, Besitzer einer Ranch in Colorado, hat einen guten Zugang zu den Kindern. Als dieser zu einem der seltenen Besuche kommt, verstirbt er plötzlich. Dieses Ereignis bedeutet das Ende der Kindheit für Molly und Ralph.

Während die Mutter mit den großen Schwestern auf Weltreise geht, verbringen die beiden den Sommer bei ihrem Onkel auf der Ranch. Das Leben dort ist vollkommen anders als das bürgerliche, das sie kennen. Wilde Natur, harte Arbeit, aber auch Einsamkeit – und eine Berglöwin, die zu jagen eine Obsession für Ralph und den Onkel wird. Molly, hochintelligent, immerzu lesend und schreibend, mit dem Traum, Schriftstellerin zu werden, entfernt sich immer weiter von ihrem Bruder, der doch ihr ein und alles war. Die komplizierte Beziehung der beiden zueinander, das Einsetzen der Pubertät, die veränderte Wahrnehmung der Welt, all das wird in einer wahrhaft unglaublichen Art und Weise beschrieben. Neben beeindruckenden Naturbeschreibungen ist es vor allem die psychologischen Dichte, die uns diesen großen Roman bis hin zum dramatischen Ende atemlos lesen lässt.

Elvira Hanemann

Zurück zu den Buchempfehlungen