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Der Mai-Tipp der Buchhandlung Thaer: HP Daniels "Runaway"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Mai 19

H.P. Daniels

Runaway

Transit Verlag

20 Euro

 

HP Daniels, 1951 in München geboren, lebt seit Langem in Berlin. Er schreibt Features, Reportagen und Kurzgeschichten für verschiedene Zeitungen und Rundfunksender. Für den Tagesspiegel schreibt er als Musikjournalist über Rock- und Pop-Musik. Daniels ist selbst Musiker – und jetzt auch noch Romanautor.

Es ist die Zeit der Proteste gegen die Notstandsgesetze, die Jugend lehnt sich gegen elterliche und andere Autoritäten auf, beispielsweise gegen Lehrer mit Nazivergangenheit. Und es ist die Zeit, in der Rockmusik das Versprechen auf andere Lebensformen verheißt. Der 16-jährige Petty und sein bester Freund beschließen, aus dem ihnen unerträglichen erscheinenden Alltag mit Spießereltern und verknöcherten Schulstrukturen auszubrechen. Heimlich machen sie sich auf den Weg von München nach Hamburg, wo sie von SDS-„Genossen“ im Kampf gegen Notstandsgesetze aufgenommen werden, fleißig Flugblätter verteilen, zu Rocksessions gehen und von einer WG in die nächste umziehen. Petty nimmt Kontakt zu einer Ferienliebe auf, deren Eltern die jungen Leute in ihrer Rebellion unterstützen. Ein schlechtes Gewissen gegenüber den Eltern haben sie zwar, doch das wird erfolgreich verdrängt. Zu aufregend ist das Leben als Ausreißer – sie machen Musik, zeichnen, schreiben, verlieben sich – sie probieren sich aus. Doch die beiden Runaways werden gefunden und müssen nach Hause zurückkehren.

Der Roman beginnt und endet mit der Standpauke, die sich Petty von seinem Vater anhören muss. Doch diesen Hauch von Freiheit, von Rebellion und von toller Musik, den haben sie gespürt während dieser Wochen in der Fremde. Und einmal verspürte Freiheit verschwindet nie mehr ganz wieder aus der Erinnerung und dem weiteren Leben. H.P. Daniels ist mit diesem Roman eine schöne Coming-of-Age Geschichte gelungen. Gleichzeitig eine treffende Erinnerung an die 68er-Bewegung, an die Zeit, in der die Jugend begann, gegen das Establishment zu protestieren. Klar war das Kennenlernen von interessanten Menschen wie rebellierenden Studenten, coolen Mädchen und das Eintauchen in die Musikszene die Hauptsache für die jugendlichen Protagonisten, aber Politik war ein nicht unbeträchtlicher Teil des Lebens. Richtig gut an dem Buch fand ich seinen Humor, die Art, wie es uns Leser immer wieder auflachen und mitunter auch eigene Erinnerungen an diese Zeit, an deren Musik und an eigene Träume wach werden lässt. Daniels begleitet die beiden Jungs mit herrlicher Ironie, er beschreibt Stationen dieser Reise ins Unbekannte mit großer Komik, doch auch immer mit Sympathie, nie führt er die jugendlichen Helden vor.

Das ist literarischer Rock’n‘Roll!

Elvira Hanemann

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