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Der Juni-Tipp der Buchhandlung Thaer: Anne Müller "Zwei Wochen im Juni"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

Thaer Juni 20Anne Müller

Zwei Wochen im Juni

Penguin Verlag

18 Euro

 

Anne Müller wuchs in Schleswig-Holstein auf und lebt heute in Friedenau. Sie studierte Theater- und Literaturwissenschaften und war als Radiojournalistin und Drehbuchautorin tätig. Sie ist eine echte Bereicherung, eine der neuen Stimmen der deutschen Literatur.

Zum Inhalt: Die beiden Schwestern Ada und Toni treffen sich nach dem Tod ihrer Mutter in ihrem Elternhaus, einem alten Bauernhaus an der Ostsee, um es auszuräumen und zum Verkauf anzubieten. Zwei Wochen Zeit haben sie sich dafür gegeben, zwei Wochen, die aus verschiedenen Gründen schwierig werden könnten. Einerseits ist da die Trauer um die Mutter sowie die Trauer um das schöne Haus, an dem so viele Erinnerungen hängen, andererseits ist das Verhältnis der Schwestern zueinander nicht das allerbeste. Ada ist Künstlerin und die Geliebte eines verheirateten Mannes – während Toni diejenige ist, die alles gebacken bekommt: Lehrerin, Ehefrau, Mutter, Hausfrau, bei ihr läuft alles immer perfekt nach Plan.

In diesen beiden Wochen bricht beim Betrachten und Aussortieren vieles auf. Die Schwestern lernen Facetten ihrer Mutter kennen, die ihnen nicht bewusst waren und einiges aus ihrer aller Vergangenheit wird klarer. Diese intensive Auseinandersetzung mit dem, was früher wichtig war, führt bei beiden auch zu einer Klärung ihrer aktuellen Lebensverhältnisse. Es ist etwas Seltenes und auch Besonderes wenn ein Buch, in dem es um Familienbeziehungen, um Geschwisterbeziehungen und um Liebesverhältnisse geht, richtig gut ist. Nicht schmalzig, pathetisch, kitschig oder gewollt witzig und vermeintlich originell, sondern tatsächlich gefühlvoll, heiter, klug und tiefgehend. Ein Roman, den man mit Freude und Genuss liest und der es versteht, schwierige Themen wie Tod, Abschiednehmen und das Aufarbeiten alter Familienprobleme zwar ernst zu nehmen, sie aber mit feinsinnigem Humor und einer klaren Leichtigkeit darzustellen.

Elvira Hanemann

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