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Der Juni-Tipp der Buchhandlung Thaer: Regina Scheer "Gott wohnt im Wedding"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Jun 19Regina Scheer

Gott wohnt im Wedding

Penguin Verlag

24 Euro

 

Regina Scheer, Schriftstellerin, Kultur- und Theaterwissenschaftlerin, bekannt durch ihren Roman „Machandel“ schildert in ihrem neuen Buch die Geschichte eines Mietshauses im Wedding. Dieses Haus wird lebendig durch die Erlebnisse seiner Bewohner, sowohl der heutigen wie auch der früheren. Es erzählt somit ein Jahrhundert deutscher Vergangenheit und Gegenwart.

Leo, ein alter Mann, der während der Nazizeit noch rechtzeitig nach Israel floh, kehrt zusammen mit seiner Enkelin Nira für eine Besuch zurück nach Berlin. Zusammen mit seinem besten Freund Manfred war er damals als untergetauchter Jude oft in diesem Haus bei Gertrud, Manfreds Geliebter, Gast gewesen. Doch heute möchte er keinen Kontakt mehr zu ihr, zu viel war damals geschehen, Missverständnisse und ein vermeintlicher Verrat.

Gertrud ist die älteste Bewohnerin des Hauses, in dem alle Mieter heraus gegrault werden sollen, damit der Vermieter gewinnträchtig verkaufen kann. Doch sie stört sich nicht an den Sinti und Roma, die in viel zu kleinen Wohnungen und für zu viel Miete nun das Haus bewohnen, sondern entwickelt freundlichen Kontakt zu manchen. Besonders Leila, die den Ärmeren und Ungebildeteren bei Behördengängen hilft, wird auch ihr zur Stütze. Leila und Nira wiederum freunden sich ebenfalls miteinander an. Doch Gertrud und Leo? Ob sie sich noch einmal treffen und versöhnen?

Das Haus in der Utrechter Straße ist selbst sprechender Protagonist, ein Stilmittel, das mir gut gefiel. Viele Handlungsstränge verknüpft Regina Scheer gekonnt zu einem lebendigen Roman, in dem sie wichtige Aspekte deutscher Geschichte mit aktuellen Themen verbindet: Migration, das Mietenproblem, vor allem aber die damals und heute immer noch miserable Behandlung von Roma und Sinti. Ein bislang in der Belletristik noch ziemlich wenig beachtetes Thema.
Ich wünsche diesem facettenreichen Berlin-Roman ebenso viele Leser wie dem ausgezeichneten Vorgänger „Machandel“. Es handelt sich um einen würdigen Nachfolger.

Elvira Hanemann

 

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