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Der Juli-Tipp der Buchhandlung Thaer: Colson Whitehead "Die Nickel Boys"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Jul 19

Colson Whitehead

Die Nickel Boys

Übersetzer: Henning Ahrens

Hanser Verlag

23 Euro

 

Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, konnte spätestens mit seinem großartigen Buch „Underground Railroad“ auch die deutschen Leser überzeugen, nachdem er schon einige hochrangige Literaturpreise (u.a. den Pulitzerpreis) erhalten hatte. Mit seinem neuen Roman ist ihm wieder ein tief beeindruckendes Buch gelungen.

Basierend auf einer wahren Geschichte erzählt er von einer Besserungsanstalt in Florida während der 60er Jahre. Man fand auf deren Gelände Knochen von Jungs, die Folterspuren aufwiesen. Offensichtlich wurden diese Kinder heimlich verscharrt. Whitehead schreibt also über ein reales Ereignis, aber er fiktionalisiert dieses, indem er einen schwarzen Jungen namens Elwood als Protagonisten auswählt.

Elwood lebt bei seiner Großmutter, er ist ein anständiger und kluger Junge, der es – entgegen aller Wahrscheinlichkeit – geschafft hat, auf eine Universität gehen zu dürfen. Doch auf dem Weg dorthin wird er in einem gestohlenen Auto - als Tramper- erwischt und des Diebstahls bezichtigt. Ein schwarzer Jugendlicher musste ja wohl schuldig sein. So kam er nach Nickel, einer Anstalt, die mit Schule nichts, aber mit einer Folterkammer für unterprivilegierte Jungs sehr viel zu tun hatte.

Seine Erlebnisse dort sind derart, dass einem der Atem stockt. Und das obwohl (oder weil?) sich Whitehead nicht an der Beschreibung von Gewaltszenen weidet, sondern in einer unaufgeregten Weise erzählt. Von einem tief verwurzelten Rassismus, von Missbrauch und von Chancenlosigkeit. Auch wenn er nirgends und nie Anklage erhebt, empfand ich das ganze Buch über Zorn, Wut, Trauer – und die Befürchtung, dass nicht alles nur Vergangenheit ist, auch wenn diese Ereignisse vor 50 Jahren stattfanden.

Stilistisch ausgereift, fesselnd und erschütternd!

Elvira Hanemann

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