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Leseprobe: "Friedenau erzählt..."

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Das Frontcover des Buches Friedenau erzählt

 

Hier möchten wir Ihnen eine kleine Leseprobe aus dem Buch "Friedenau erzählt - Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914" von Hermann Ebling, erschienen 2007 im Verlag edition Friedenauer Brücke, vorstellen. Die Textauszüge wurden uns freundlicherweise von Evelyn Weissberg, Verlag edition Friedenauer Brücke zur Verfügung gestellt.

Das Buch ist erhältlich in den Friedenauer Buchläden oder über die edition Friedenauer Brücke, www.friedenauer-bruecke.de, mail(at)friedenauer-bruecke.de

Gebundene Ausgabe, 352 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, ISBN: 978-3-9811242-1-7

In der reich bebilderten Dokumentation werden Persönlichkeiten aus den Anfangsjahren Friedenaus portraitiert. Unsere Leseprobe stellt den Friedenauer Schriftsteller Georg Hermann vor. Georg Hermann war der jüngere Bruder des Ägyptologen und Archäologen Ludwig Borchardt (berühmt durch den Fund der Nofretete) und des Dichters Rudolf Borchardt. Georg Hermann erlangte internationales Renommee durch seine Romane "Jettchen Gebert" und "Henriette Jacoby".

1943 wurde Georg Hermann aus dem Exil in Amsterdam nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Hier geht es zur Biografie Georg Hermanns...

 


 

 

 Leseproben:

Karte vom Weichbilde Berlins, 1846, von Simon Schropp

 

Jejend, nischt wie Jejend

Der Ausschnitt aus Simon Schropps 'Karte vom Weichbilde Berlins' von 1846 zeigt das Terrain zwischen den Dörfern Schöneberg, Tempelhof, Steg(e)litz, Schmargendorf und Wilmersdorf, auf welchem später Friedenau entstehen sollte. "Jejend, nischt wie Jejend", wie der Berliner sagte.

"...da waren nur Gräben und Feldraine, Weidenalleen und Buschketten, Wiesen, Kartoffeläcker und Mohrübenfelder;...da lag der schöne alte Feldweg mit seinen tiefen Gleisen, ganz einsam - und rechts und links standen mit den kurzen, dicken, gewundenen Stämmen die Bäume, morsch, rissig, gekröpft, mit großen runden Büscheln grüner Gerten. Ganz in Nesseln standen sie - man könnte sagen, sie standen bis zur Brust in diese Nesseln gedrückt. In ihren Rissen und Höhlungen nisteten Fink und Bachstelze;..."

So beschrieb Georg Hermann in seinem Roman "Kubinke" 1908 dieses weitgehend brachliegende Land.

 


 

 

Der Sportpark Friedenau

Nachdem es den Friedenauern mithilfe des Reichskanzlers Fürst Bismarck 1885 gelungen war, die Errichtung einer großen Gasanstalt auf dem noch unbebauten Gelände zwischen Kaiserallee, Handjerystraße und den Gleisen der Ringbahn im Nordwesten Friedenaus zu verhindern, lag das Gelände für ein Jahrzehnt brach.

Der Sportpark war ein Begriff weit über die Ortsgrenzen Friedenaus hinweg. Die Anlage wurde zu Beginn des Jahres 1896 angelegt und konnte schon im Sommer des gleichen Jahres in Betrieb genommen werden. Eine Rennbahn war die Hauptattraktion, die erste dieser Art in Berlin und Umgebung. International beachtete Radrennen wie "Der große Preis von Deutschland" oder das "Goldene Rad von Friedenau" wurden dort im Sommer veranstaltet. In den Wintermonaten gab es im Oval der Rennbahn eine Eisbahn.

Portraitfoto von Georg Hermann"Da waren hinter dem Platz die roten Bogen der Ringbahn, und von fern dröhnte es schon von der Friedenauer Radrennbahn herüber. Gerade hatte Robl das "Goldene Rad von Friedenau" vor ein paar Tagen gewonnen, und die ganze Gegend war deshalb noch voll Aufregung, stand unter dem Zeichen der Renfahrer. Die Beamten an der Sperre der Ringbahn hatten noch verbundene Finger, weil sie Blutblasen von dem Knipsen bekommen hatten. Heute trainierte man nur. Aber trotzdem waren die Menschen hingeströmt und brüllten ermunternd im Takt den Fahrern ihr "Feste, Willem! Treten, Müller" zu, so dass man es straßenweit hörte." 

 

Georg Hermann, "Der kleine Gast", 1925

 

Das Portraitfoto von Georg Hermann wurde uns freundlicherweise von der edition Friedenauer Brücke und Herrn George Rothschild zur Verfügung gestellt. Der Ausschnitt aus der "Karte vom Weichbilde Berlins" stammt aus dem Buch "Friedenau erzählt...".

 

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