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Kampf zwischen Eiche und Linde

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Anm. d. Red.: Die auf den Fotos auf S. 2 des Beitrags sichtbare Umgrenzung wurde entfernt, nachdem im Abstand von zwei Wochen zwei Autofahrer die sprichwörtliche Kurve nicht kriegten und die Umgrenzung, ohne Personenschaden, bei den Unfällen komplett zerstört wurde. Für die Rosen gibt es einen Pflegevertrag: Im Sommer wird die Fläche an heißen Tagen von uns gegossen und im Herbst entfernen wir das Laub (und sonst regelmäßig den Müll, den die Fläche geradezu magisch anzuziehen scheint) und bereiten die Rosen für den Winter vor. Unser Dank geht an dieser Stelle an die BSR und ihre Mitarbeiter, die immer sehr schnell und unbürokratisch von uns gesammeltes Laub und den Müll abtransportieren.

 

Bürgerbeteiligung an der Bürgerlinde - Pflanzung von 26 Rosen an der Bürgerlinde im Jahr 2012

Ein Beitrag von Ottmar Fischer (Bürgerinitiative Breslauer Platz)

Am 13.05.1909 meldete der Friedenauer Lokal-Anzeiger, dass noch nicht sicher sei, ob tatsächlich zwei Esel für die hiesige Amtsgärtnerei angeschafft werden sollen, wie zuvor bekannt geworden war. Das hatte den regierungskritischen „Kladderadatsch“ zu folgender Dichtung veranlasst:

Als  n e u  erzählt die Zeitung heut,
Daß man im Amt von Friedenau
Beschäft’gen will in nächster Zeit
Zwei Esel, langgeohrt und grau.

Doch, ob auch mancher mich verdammt,
Bericht’gen muß ich den Bericht,
Daß Esel tätig sind im Amt.

Buergerlinde 1-2

 

- N e u  ist das nicht. Für den heutigen Amtsbereich Grünflächen kann nun ein anderer Zuwachs verzeichnet werden, nämlich der des ehrenamtlichen Bürger-Gärtners. Ob sein Einsatz der staatlichen Eselei zuzuschreiben ist, die in noch nie dagewesener Höhe vorhandenen Steuermittel derart einzusetzen, dass für die Bewirtschaftung der öffentlichen Grünflächen nicht genügend übrigbleibt, oder vielmehr der eselsgleichen Lastenübernahmebereitschaft der Bürgerschaft, die zu den Steuern lieber noch unbezahlte Arbeit dazugibt, als grünschmuckloses Wohnen hinzunehmen, bleibt in der Antwort eine Frage des eingenommenen Blickwinkels.


Die umgegrabene und mit neuer Erde bestückte Fläche um die Bürgerlinde am Breslauer PlatzJedenfalls ist den Bürgern nicht entgangen, dass die amtliche Grünpflege sich mittlerweile darauf beschränkt, die wildwüchsigen Straßenrandzonen und Mittelstreifen einmal im Jahr zu mähen. Daher entstehen nun immer mehr Blumenbeete unter Straßenbäumen in Bürger-Aktionen, oder es gründet sich gar eine Bürgerinitiative wie die am Bundesplatz, die gleich das ganze Areal zunächst säubert, dann dort schneidet und rodet, sowie schließlich neu pflanzt und pflegt.


Auch am Breslauer Platz tut sich Vergleichbares. Die am 21.05.2007 auf Anregung der Rheinstraßeninitiative auf einem Teilstück des Mittelstreifens gepflanzte „Bürgerlinde“ hat auf Betreiben von Magrit Knapp, die alljährlich auch für den Weihnachtsbaum der besonderen Art auf dem Breslauer Platz sorgt, und im Zusammenwirken von Bürgern und Verwaltung, neue Erde erhalten. Und die unter dem Baum bereits vorhandenen Rosen haben Gesellschaft bekommen durch die Bodendeckersorte „Heidetraum“.  

 


 

Buergerlinde 3-4

 

Diese mehrtägige Aktion zur Hervorhebung der Linde, die einst als bürgerschaftlicher Leuchtturm gegen die nicht weit entfernte, imperiale „Kaisereiche“ gepflanzt worden war, stieß auf großes Interesse in der Bevölkerung. Der fliegende Kaffee-Anbieter Achim vom Wochenmarkt kam mit Sahnekaffee zu einem kurzen Plausch herüber, ein skeptisches Ehepaar wollte nicht glauben, dass ein solcherart gewonnenes Gartenstück auch ausreichend gepflegt werden könnte, aus vorbeifahrenden Autos gab es winkende Zustimmung und ein mit einem Erdbeerkorb heimkehrender Marktbesucher zupfte einen Fünf-Euro-Schein als Belohnung hervor.  

Diese Anteilnahme führte sogar zu einer Bürgerbeteiligung al fresco, zu neuen Gestaltungsüberlegungen noch während der laufenden Arbeiten: Eine zunächst sorgenvoll schweigende Frau stellte sich schließlich doch in die Runde der Bürger-Gärtner und gab zu bedenken, dass ein Baum in seiner Eigenschaft als Solitär am besten auf einem Gras-Teppich zur Geltung komme, und in seiner Wirkung durch zusätzlichen Blumenschmuck nur behindert werde. Auch die als Schutz gedachte Einfriedung durch massive Kanthölzer störe das Naturbild.  

Daraufhin wurde beschlossen, das Gestaltungskonzept zu überdenken und die vorgetragenen Überlegungen einzuarbeiten.

Es lebe die Bürgerbeteiligung!

Fotos: Red., abgebildet sind Mitglieder vom Friedenau-Netzwerk und der BI Breslauer Platz

 

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