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Der Februar-Tipp der Buchhandlung Thaer: Juliette Groß "Heute keine Kekse"

 Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

Thaer Feb 20 Kekse

Juliette Groß

Heute keine Kekse

Osburg Verlag

20 Euro

 

Juliette Groß, 1970 geboren, ist Schauspielerin und lebt in Hamburg. Mit „Heute keine Kekse“ hat sie ihren ersten Roman veröffentlicht.

Claudette ist verliebt in Malik, den sie aus der Schule kennt. Die beiden werden ein – noch sehr junges – Paar. Im weiteren Verlauf geht es um die Beziehung der beiden über viele Jahre hinweg – eine Beziehung, die über erste Liebe, über schwierige, aber auch schöne Zeiten erstreckt, bis sie später zu einer Freundschaft wird. Eine Freundschaft, die intensiviert, aber auch erschwert wird durch einen tragischen Unfall. Malik wird bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass er nach einem halben Jahr im Koma erst wiedererwacht und danach ein schwerer Pflegefall wird. Eine erschütternde Odyssee durch viele Krankenhäuser, Reha-Kliniken und Behinderteneinrichtungen beginnt.

Claudette erzählt in vielen kurzen Rückblicken und sie erzählt zeitversetzt: einmal ist sie Schauspielerin in der Jetztzeit und dann wieder ein junges Mädchen, später eine junge Frau. Es entsteht ein sehr intensives Bild der Zeit, der 80er- und 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts und besonders eines schwarzen Kapitels dieser Zeit: dem institutionellen Umgang mit behinderten Menschen. Malik war kein einfacher Mensch, die Beziehung war nie problemlos, dennoch widmet Claudette sehr viel ihrer Zeit dem kranken Freund (Ex-Freund, wie sie nicht müde wird zu betonen), der zwar langsam wieder sprechen lernt, aber weiter schwer beeinträchtigt ist. Seine Ausfälle, seine Grobheiten gegenüber Krankenpflegern sowie auch Freunden gegenüber – es ist nicht ganz klar ob sie in seinem Charakter liegen oder eine Veränderung durch den Unfall sind. Jedenfalls geht es ihm – und den Menschen in seinem Umfeld sehr schlecht.

Es ist ein kleines Wunder, dass sich dieser Roman trotz seines sehr düsteren Themas nicht nur sehr gut lesen lässt, sondern immer wieder auch durch feine Ironie und leisem Humor besticht. Ich war tief beeindruckt von diesem Erstling, erschüttert und mitgenommen aber auch begeistert von der Intensität und nicht zuletzt von der Erzählweise und dem Stil. Eine echte Entdeckung in der Flut an Neuerscheinungen!

Elvira Hanemann

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