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Der Februar-Tipp der Buchhandlung Thaer: Hanya Yanagihara "Das Volk der Bäume"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Feb 19

Hanya Hanagihara

Das Volk der Bäume

Übersetzung: Stephan Kleiner

Hanser Verlag

25 Euro

 

Nach dem großen Erfolg von „Ein wenig Leben“ erscheint nun auch Hanya Yanagiharas Debüt „Das Volk der Bäume“ auf Deutsch.

Wir befinden uns in den 90ern. Dr. Ronald Kubodera beklagt den Niedergang seines Kollegen, des Nobelpreispträgers Dr. Abraham Norton Perina, der des Kindesmissbrauchs an seinen Adoptivkindern bezichtigt wird. Perina schreibt vom Gefängnis aus seine Erinnerungen auf, die Kubodera mit Anmerkungen und Fußnoten versieht. Der Hauptteil des Buches handelt von seinen wissenschaftlichen Entdeckungen, erst gegen Ende kommt das Thema Adoption und Missbrauch auf.

Norton Perina entdeckt auf der unberührten Insel Ivu’Ivu im Dschungel Menschen, die aufgrund ihres unglaublich hohen Alters sein Interesse wecken. Auf abenteuerlichen Umwegen findet er heraus, dass das hohe Alter dieser Ureinwohner auf das Verspeisen einer seltenen Schildkrötenart zurückzuführen ist. Hat er ein Rezept zur Unsterblichkeit gefunden? Er und sein Forscherteam erkunden nun genauestens die Sitten und das Leben der Inselbewohner. Dies liest sich ungeheuer spannend, auch weil das Wirken der Forscher auf die Inselbewohner zwiespältig dargestellt wird.

Der Roman ist klug konstruiert: zunächst die Außensicht durch Perinas Bewunderer Kubodera, dann die Tagebucheinträge, durch die man immer alles aus Perinas Sicht sieht und schließlich die überraschende Dekonstruktion dessen, was man bis dahin für wahr hielt. Über weite Strecken glaubt man fast, eine authentische Geschichte zu lesen.

Dieses Buch unterscheidet sich trotz der geteilten Thematik des Kindermissbrauchs stark von Yanagiharas herzergreifendem zweitem Roman, ist aber nahezu genauso gut und beweist, dass sie eine großartige Schriftstellerin mit außergewöhnlicher stilistischer Finesse ist.

Ein ungewöhnliches Buch, im dem ich gerne noch länger gelesen hätte – denn es ist längst nicht so dick wie „Ein wenig Leben“.

Elvira Hanemann

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