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Dr. Eugen Nesper – „ein Leben für den Funk“

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Für Nesper folgte nun eine Zeit der Arbeit an technischen Verbesserungen und an Werbung quer durch Europa für den Rundfunkgedanken mit Vorträgen und Veröffentlichungen. Seine Tätigkeit als Konstrukteur, Schriftsteller, Gutachter und Rundfunksprecher war in der Folge so umfangreich, dass eine Schilderung den Rahmen dieses  Artikels sprengen würde.

Auch nach dem Krieg, knapp 70-jährig, arbeitete er in seinem Gebiet weiter, so wurde er z. B. zur Inbetriebsetzung des RIAS herangezogen, zumal er sich der Vereinnahmung durch die Nazis hatte entziehen können. Bald bekam er vom Magistrat, Abt. Volksbildung, als „berühmter aktiver Gelehrter von gutem Ruf“ die Lebensmittelkartenstufe I zugesprochen, und die schrecklichste Hungerzeit, die ihm eine lange, schwere Krankheit eingetragen hatte, war beendet.

Tafel mit Hinweis auf den Erbauer der Ceciliengärten, Heinrich Lassen, am Wohnhaus Traegerstraße 2

 

Im Jahre 1950 erschien seine Autobiografie mit dem Titel „Ein Leben für den Funk. Wie der Rundfunk entstand.“ Über seinen Umzug von Wien nach Berlin-Friedenau, Traegerstr. 2 (Foto: Tafel neben dem Hauseingang, d. Red.), im Jahre 1921 schreibt er: „Das Haus, in das wir nun endlich einzogen, gehörte dem Schöneberger Magistrat und hatte seit Anfang 1914 im Rohbau gestanden. Die Finanzierung der Fertigstellung war nicht zuletzt durch mein Betreiben durch eine Berliner Großbank ermöglicht worden, aber aus geldlichen Gründen wurde an den Zwischendecken gespart, sodass eine bemerkenswerte Hellhörigkeit die Folge war. Zur Vervollständigung des Unglücks waren die über meiner Wohnung gelegenen Räume einem sogenannten Komponisten und Dirigenten zugewiesen, der noch oft bis in die Nachtstunden hinein Unterricht erteilte. Er hatte in vier Zimmern ebenso viele Klaviere bzw. Flügel und andere akustische Marterinstrumente aufgestellt, von denen im Laufe der Jahre viele tausendmal das schöne Lied: “Grün ist die Heide“ und, was noch weit schlimmer war, die eigenen Kompositionen dieses Meisters ertönten, sodass wir schließlich dem Irrsinn nahe waren. ..... Schließlich 1926 gelang mir unter erheblichen Opfern ein Wohnungstausch. Trotz aller Geräuschkulissen habe ich in der Traegerstraße recht viel Arbeit geleistet, gerade in der besonders kritischen Zeit vor dem Start des Rundfunks und während seiner Kinderjahre.“

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens von Friedenau wunderte sich ein Chronist, dass die Friedenauer nicht eine ihrer Straßen nach Dr. Eugen Nesper benannt haben.

 

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