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Der August-Tipp der Buchhandlung Thaer: Tupoka Ogette "exit RACISM"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Aug 20

Tupoka Ogette

exit RACISM

Unrast Verlag

12,80 Euro

 

Tupoka Ogette wurde 1980 in Leipzig als Tochter einer deutschen Mathematikstudentin und eines tansanischen Studenten der Landwirtschaft geboren. Mit 8 Jahren floh sie mit ihre Mutter nach West-Berlin; ihr Vater zog nach seinem Studium notgedrungen zurück nach Tansania. Ogette studierte Afrikanistik und Deutsch als Fremdsprache, anschließend war sie ein Jahr in Tansania als interkulturelle Mediatorin tätig, absolvierte danach ihren Master in Grenoble. Seitdem arbeitet sie als Trainerin und Beraterin für Rassismuskritik und Antirassismus, sie gibt Workshops und hält viele Vorträge. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Künstler Stephen Lawson und ihrer Familie in Berlin.

Für dieses „Buch des Monats“ mache ich gleich drei Ausnahmen: Normalerweise bespreche ich eher Belletristik als Sachbücher, normalerweise Hardcover und keine Taschenbuchausgaben, und grundsätzlich nur brandneue Bücher.

Tupoka Ogettes Buch  „exit RACISM“ ist bereits 2018 erschienen und ist als preisgünstiges Taschenbuch mittlerweile bereits in der 8. Auflage erhältlich. Aber: Es war mit Abstand meine interessanteste Urlaubslektüre, die ich Ihnen daher nicht vorenthalten will. Gut möglich, dass sie glauben, dass Sie ein solches Buch gar nicht lesen müssen und wollen, da Sie ja sowieso kein Rassist sind. Genau das dachte ich ursprünglich auch, deshalb hat mich dieses Buch bei seiner Erscheinung auch nicht angelacht. Erst als durch den schrecklichen Mord an George Floyd das Thema Rassismus in der ganzen Welt mehr Öffentlichkeit erfuhr, und immer mehr Kunden dieses Buch bei uns bestellten, wurde ich darauf aufmerksam.

Für mich war es eine Augen öffnende Lektüre, eine die mir tatsächlich eine andere Blickrichtung nahegebracht hat. Ogette gelingt es, ohne jemandem ein schlechtes Gewissen zu machen, zu vermitteln, dass Rassismus Alltag ist, dass er systemimmanent ist und dass wir alle damit sozialisiert wurden. Rassismus ist eben nicht nur, wenn Menschen anderer Hautfarbe körperlich oder verbal angegriffen werden, sondern setzt bereits viel früher ein. Es sind die vermeintlich kleinen Dinge, die den Alltag von POC (people of colour) so schwierig und anstrengend machen. Wie der Untertitel „Rassismuskritisch denken lernen“ vermuten lässt, vermittelt die Autorin – ähnlich wie in ihren Workshops – Hilfestellungen, seine eigene Art zu denken und wahrzunehmen, kritisch zu hinterfragen. Für mich als nicht direkt von Rassismus betroffene Person eröffnete das Buch eine Perspektive, die mir eigentlich so nah ist, und über die ich trotzdem viel weniger wusste, als ich vermutet hätte.

Unterbrochen wird der Text ab und zu durch Links zu Videos oder zu Quellcodes, die einen beispielsweise zu ganzen Filmen (einem hochinteressanten Arte-Film über Kolonialismus etwa) hinleiten. Ich fand das anfangs gewöhnungsbedürftig, einfach weil ich das von anderen Büchern nicht so kannte – und weil es natürlich den Lesefluss etwas stört. Doch habe ich mir die Zeit genommen, alle Links anzusehen und war am Ende überzeugt, denn so wird das Thema sehr gut vertieft. Kleine Warnung: einige dieser Links leiten auf Seiten weiter, die nur auf Englisch sind.

Ich kann das Buch mit bestem Gewissen allen Menschen empfehlen die unsere Gesellschaft besser verstehen lernen möchten und glauben, dass eine Welt ohne Rassismus für uns alle eine bessere und lebenswertere Welt sein wird.

Elvira Hanemann

 

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