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Die April-Empfehlung der Buchhandlung Thaer: Julian Barnes "Die einzige Geschichte"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

Julian Barnes

Thaer April 19

 

Die einzige Geschichte

Übersetzung: Gertraude Krueger

Kiepenheuer und Witsch

16,99 Euro

 

Julian Barnes wurde 1946 in Leicester geboren, nach einem Sprachenstudium war er als Journalist tätig. Er ist ein seit Langem international anerkannter Schriftsteller, der mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde, für „Vom Ende einer Geschichte“ erhielt er den Man Booker Preis. Er lebt heute in London.

Barnes kann vieles: heiter (Das Leben in 10 ½ Kapiteln oder Flaubert’s Papagei), politisch (Der Lärm der Zeit), essayistisch (Lebensstufen, Am Fenster) und tiefernst literarisch (Vom Ende einer Geschichte oder eben jetzt neu „Die einzige Geschichte“). Die zentrale Frage ist laut Barnes folgende: „Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage“

Paul ist 19 Jahre, er lebt mit seinen Eltern in einem sehr biederen Village in der Nähe von London. Seine Mutter möchte, dass er anständige Mädchen kennenlernt und drängt ihn deshalb sich im Tennisclub anzumelden. Dort lernt
er anstelle eines jungen Mädchens Susan kennen, eine verheiratete Frau und Mutter, die 28 Jahre älter als er ist. Die beiden verlieben sich ineinander und – auch wenn die Gerüchte um sie nicht verstummen und sie nach einiger
Zeit beide aus dem Tennis-Club hinausgeworfen werden – sie stehen zueinander. Susan trennt sich – nicht sofort, die Beziehung entwickelt sich langsam und ändert die Intensität – von ihrem Mann, Paul und Susan ziehen gemeinsam
nach London.

Das Ganze endet nicht glücklich – aber wer nun denkt, dass das ja wohl von Anfang an klar gewesen sei, täuscht sich. Julian Barnes erzählt hier von nichts weniger als von der einzigen Geschichte, der großen Liebesgeschichte,
die tief und echt ist. Wer an „Die Reifeprüfung“ denkt oder an Klischees wie „erfahrene Frau weiht Jungen in die Geheimnisse der Liebeskunst ein“ liegt falsch. Denn jede Liebe ist anders, ihr Glück ist anders als das von anderen Menschen und auch ihr Scheitern hat seine eigenen Gründe. Der Hauptgrund für das Scheitern der Beziehung – nach langen gemeinsamen Jahren allerdings – ist nicht der Altersunterschied, sondern der Alkohol, denn Susan
wird exzessive Trinkerin. Doch auch das hat natürlich seine eigenen Gründe.

Ich lese diesen Roman, ich fühle mit, ich drücke den beiden den Daumen, ich hoffe, dass diese Liebe gegen alle Konventionen eine Chance hat und ich werde immer trauriger gegen Ende des Buches. „Die einzige Geschichte“ hat mich tief berührt. Doch ich bin auch höchst beeindruckt von den literarischen Kunstgriffen, so wechselt er die Erzählhaltungen von der Ich-Perspektive über die Du-Perspektive bis hin zur unpersönlichen. Und das passt dann immer punktgenau.

Julian Barnes ist ein großer Künstler, ein toller Schriftsteller und ein echter Menschenkenner – Hut ab!

Elvira Hanemann

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