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"Groß ist die Kraft der Erinnerung, die Orten innewohnt"

 

 

16 Stolpersteine vor der Philippus-Kirche, Stierstraße 17-19

Ein Beitrag von Ingrid Schmidt

 

Stolpersteine in der Stierstraße Teil 3

I.

Mit der Stolpersteinaktion hat der Künstler Gunter Demnig der öffentlichen Erinnerungskultur einen provozierenden Anstoß gegeben. Zu seinen Grundüberlegungen für dieses Projekt gehört die Empfehlung, den Stolperstein für eine/n von den Nazis Ermordete/n möglichst vor dem letzten (frei gewählten) Wohnort zu verlegen. Dieses Haus wird so zu einem sichtbaren Gedächtnisort. Was meint das – ein „Gedächtnisort“? Verfügt der Ort selbst über ein Gedächtnis? Wir kennen die Gedächtniskraft von Bildern; jedes Familienfotoalbum bezeugt dies. Aber wir wissen auch, dass Eindrücke, die an einem historischen Ort empfangen werden, oft lebhafter in Erinnerung bleiben, als die, die vom Hörensagen und Lesen herrühren. Orte festigen die Erinnerung, verleihen ihr Kontinuität und Dauer: Das Haus der Großeltern, der Garten unserer Kindheit – an solchen „Generationenorten“ weitet sich das Gedächtnis eines einzelnen hin zum „Familiengedächtnis“, unabhängig davon, ob das Haus längst zerstört, das Gartengrundstück nun bebaut oder zugepflastert wurde.