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Der März-Tipp der Buchhandlung Thaer: Arno Geiger "Unter der Drachenwand"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Mrz 18

Arno Geiger

Unter der Drachenwand

Hanser Verlag

26 Euro

 

Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, arbeitete nach einem Studium der Deutschen Philologie, Alten Geschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien und Innsbruck  als Videotechniker.  Seit er 1996 zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen wurde, ist er freier Schriftsteller. Mit „Es geht uns gut“ (2005) war er der erste Träger des Deutschen Buchpreises.  Nach seinem großen Erfolg mit „Der alte König in seinem Exil“ und weiteren Büchern hat er nun wieder einen neuen Roman veröffentlicht.

Wir befinden uns im Jahre 1944 in einem kleinen österreichischen Ort namens Mondsee. Ein Ort gleich neben einem Berg, der Drachenwand. Veit Kolbe, Soldat, kehrt wegen einer schweren Verwundung auf Urlaub aus dem Russlandeinsatz zurück nach Wien. Bei seiner Familie, überzeugten Nazis, hält er es nicht aus, er zieht aufs Land nach Mondsee. Er wartet auf das Ende des Krieges, doch er hat große Angst, wieder eingezogen zu werden.

Ein möbliertes Zimmer bei einer nur vom Endsieg faselnden Zimmerwirtin, zögerliche Kontakte zu einer Lehrerin eines nahegelegenen Schullandheims, Gespräche mit einer wachen Schülerin sowie eine scheue Freundschaft mit den gärtnernden Nachbarn, dem „Brasilianer“ prägen sein Leben dort. Seine Zimmernachbarin, eine junge Mutter, deren Mann im Krieg ist, wird seine Geliebte. Veit, immer wieder von traumatischen Kriegserinnerungen heimgesucht und gegen seine Depression ankämpfend, findet in dieser Liebe Trost und so etwas wie die Ahnung von Glück und einem guten Leben.

Absolut bemerkenswert ist Arno Geigers Kunst, aus Briefen, Tagebuchnotizen und anderen Aufzeichnungen einen so „wahren“  Roman entstehen zu lassen, der mich an manchen Stellen glauben macht, ich höre meine Großeltern und deren Zeitgenossen sprechen. Er erzählt mit einer undramatisch daherkommenden Lakonie von der Absurdität des Krieges, die gerade wegen des nüchternen Tons unheimlich berührt. Ich fand Geiger schon immer gut, aber dieses Buch ist nochmal um vieles besser als alles was er bisher geschrieben hat. Ein echtes Meisterwerk!

Elvira Hanemann

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