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Louise Schroeder – „Bürgermeisterin der Herzen”

 

Ein Beitrag von Eva Liebchen

louise schroeder

 

Louise Schroeder, 1887 in Hamburg geboren und 1957 mit 70 Jahren in Berlin gestorben, Nachkriegsbürgermeisterin unserer Stadt, nach der der unscheinbare Louise-Schroeder-Platz in Wedding und die in unmittelbarer Nähe befindliche Louise-Schroeder-Sporthalle benannt sind, wohnte auch für kurze Zeit in Friedenau. Aber auch eine Tafel am Haus ihres letzten Wohnsitzes in der Tempelhofer Boelckestraße 121 erinnert an sie. Im Bewusstsein der jüngeren Berlinerinnen und Berliner ist sie aber nicht mehr präsent und war doch im Nachkriegsberlin die Politikerin, der das Herz der Berliner gehörte wegen ihrer Wärme und Herzlichkeit und nicht zuletzt wegen ihrer Standfestigkeit während der Berlin-Blockade. Nicht umsonst warb die Berliner SPD im Wahlkampf 1948 mit dem Motto „Wer klug ist, der wählt diese – unsere liebe Louise!”. Das Ergebnis mit 64,5% der Stimmen  wurde nie wieder erreicht.

Louise Schroeder wurde als jüngstes von vier Kindern in einer sozialistisch orientierten Arbeiterfamilie geboren. Nach dem Besuch einer Gewerbeschule arbeitete sie als Sekretärin und mit dem Vater als Vorbild trat sie 1910 in die SPD ein, wurde mit 23 Jahren in den Vorstand der SPD in Altona-Ottensen gewählt, wurde Stadtverordnete für Soziales, Mütter und Gesundheit und gehörte ab 1919 als eines der jüngsten Mitglieder der Verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar an und blieb danach Reichstagsabgeordnete bis zur Machtübernahme der Nazis 1933. Sie war gemeinsam mit Marie Juchacz maßgebend an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt beteiligt und arbeitete seit 1925 als Dozentin an der Schule der Arbeiterwohlfahrt in Berlin, erhielt 1933 Berufsverbot, stand unter Polizeiaufsicht, kehrte nach Hamburg zurück und versuchte, sich mit einem kleinen Brotladen über Wasser zuhalten, was ihr nach einigen Jahren des Durchhaltens nicht gelang, weil sie z.B. den „Deutschen Gruß” und das Hissen der Hakenkreuzfahne verweigerte und ihr deshalb Kunden abgetrieben wurden.louise Schroeder hertha beese

In Berlin fand sie in einem Bauunternehmen bis zum Kriegsende Schutz und Arbeit. Sie wurde mehrfach ausgebombt und fand schließlich eine Unterkunft bei dem ehemaligen Mitglied des Reichstags Alfred Faust in der Friedenauer Peter-Vischer-Str. 5, was wiederum zur Folge hatte, dass sie unmittelbar nach dem Kriegsende ihre unterbrochene politische Tätigkeit in Schöneberg als Kreisfrauenleiterin aufnahm.

1946 wurde sie von der SPD beauftragt, gemeinsam mit Franz Neumann und Ida Wolff die Arbeiterwohlfahrt zu reorganisieren. Sie wirkte bei der Neugründung der SPD in Berlin mit. Doch die „höchste Erfüllung ihrer politischen Arbeit” waren die Jahre 1947/48, als sie amtierende Oberbürgermeisterin der Stadt Berlin wurde, weil wegen eines Vetos des sowjetischen Stadtkommandanten Ernst Reuter sein Amt nicht antreten konnte. Schon 1946 war sie unter Oberbürgermeister Ostrowski eine der drei Vertreterinnen und als Ernst Reuter dann 1948 Oberbürgermeister wurde, blieb sie bis 1951 seine Vertreterin.

Trotz stark angegriffner Gesundheit wurde sie Berliner Abgeordnete des Deutschen Bundestages, Delegierte im Europarat in Straßburg, Präsidialmitglied des Deutschen Roten Kreuzes. Anlässlich ihres 70. Geburtstages erhielt sie als erste Frau die Ehrenbürgerschaft Berlins und die Ehrendoktorwürde der FU Berlin, an deren Gründung sie maßgeblich beteiligt war. Kurz danach starb Louise Schroeder in Berlin, wurde jedoch in ihrer Heimatstadt Hamburg im Elterngrab beigesetzt. Die Bezirksverordnetenversammlung von Tempelhof-Schöneberg hat den Sitzungssaal Raum 195 im Rathaus Schöneberg nach Louise Schroeder benannt.

Fotos: © Archiv der AWO (oben links) und AWO LV Berlin (unten rechts; das Foto zeigt Louise Schroeder und Hertha Beese (rechts) während der 1. Bezirksdeligiertenkonferenz der Berliner AWO am 20.04.1947.)

 

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