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Kurt Hiller – ein revolutionärer Pazifist


Ein Beitrag von Eva Liebchen

Foto: Kurt Hiller im Jahr 1903, Quelle: Wikimedia Commons

 

Kurt HillerSeit dem Jahr 2000 gibt es in Schöneberg den Kurt-Hiller-Park in der Nähe des U-Bahnhofs Kleistpark, auf Initiative der schwulen Jungsozialisten in der SPD Schöneberg nach dem Schriftsteller und pazifistischen Publizisten Kurt Hiller benannt.

Kurt Hiller, geb. am 17. August 1885 in der Wilhelmstr. 12 in Berlin als Sohn eines Krawattenfabrikanten, besuchte zunächst das Askanische Gymnasium, studierte von 1903 bis 1908 Rechtswissenschaften und Philosophie und promovierte in Heidelberg zum Dr. jur. mit dem damals provokanten Thema „Die kriminalistische Bedeutung des Selbstmords”. Bald galt er als kämpferischer politischer Schriftsteller. Er gründete 1909 mit anderen den Literaturverein „Neuer Club”, in dem sich junge expressionistische Berliner Dichter sammelten, rezitierte selbst „kahlköpfig und befrackt” Gedichte und gab bald seine erste Anthologie expressionistischer Verse – den „Kondor” – heraus. 1911 war er an der Gründung der Zeitschrift „Die Aktion” beteiligt, in der u.a. erste Gedichte und die frühe Prosa von Gottfried Benn erschienen. Damals wohnte er in der Nollendorfstraße 34.

1921 übersiedelte er in die Friedenauer Hähnelstraße 9, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert. (Anm. d. Red.: Kurt Hiller lebte bis 1934 in der Hähnelstraße.)

1916 bis 1924 gab er ein Jahrbuch für geistige Politik „Das Ziel” heraus und war viele Jahre Mitarbeiter der „Weltbühne”. Ein Zeitgenosse nannte ihn liebevoll „das Schandmaul der Weimarer Zeit”. Künstler wie Tilla Durieux, Else Lasker-Schüler und Karl Schmidt- Rottluff gehörten zu seinen Unterstützern. 1933 wurde er verhaftet und grausam gefoltert, nicht zuletzt wegen seiner Mitgliedschaft in der Gruppe Revolutionärer Pazifisten, zu der auch Tucholsky und Walter Mehring gehörten, auch wegen seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben. Er kam ins KZ, wurde 1934 jedoch freigelassen; flüchtete aus Berlin; emigrierte über Prag nach London und kam erst zehn Jahre nach Kriegsende nach Deutschland zurück, lebte fortan  in Hamburg, wo er 1972 starb.

In seiner Autobiografie von 1969 „Leben gegen die Zeit” charakterisiert sich der militante sozialistische Schriftsteller für die Nachwelt. Nicht verschwiegen werden sollte  jedoch, dass er bei seinen zahlreichen Beteiligungen an Aktionsbündnissen durch seine radikalen Forderungen auch häufig Konflikte mit bürgerlich-demokratischen Pazifisten auslöste, besonders jedoch in der Deutschen Friedensgesellschaft, in der er führendes Mitglied war.
Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er  durch sein Engagement gegen den § 175 in zahlreichen Beiträgen in Zeitschriften, was für die damalige Zeit außergewöhnlich war und in dem Buch „§ 175: die Schmach des Jahrhunderts” gipfelte. Er war damit einer der wichtigsten intellektuellen Vertreter der Schwulenbewegung im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Ebenso bekannt wurde er durch sein pazifistisches journalistisches Wirken. So provozierte er 1932 die Öffentlichkeit, als er den Dichter Arno Holz als Kandidaten gegen Generalfeldmarschall von Hindenburg für das Amt des Reichspräsidenten vorschlug, was ihm weite Zustimmung im Kreise des geistigen Lebens in Deutschland einbrachte und ihn in die Reihe der „großen deutschen damaligen Linken” stellte.

Auch heute noch hält die Kurt-Hiller-Gesellschaft e.V. durch wissenschaftliche Auseinandersetzung mit seinem Werk seine Ideen am Leben.

 

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