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Der Juni-Tipp der Nicolaischen Buchhandlung: Maxim Biller "100 Zeilen Hass"

Nicolaische Buchhandlung, Rheinstraße 65, 12159 Berlin

 

Nicolaische Juni 17

Maxim Biller

100 Zeilen Hass  

Hoffmann & Campe

25 Euro


Bedauerlicherweise ist Maxim Biller nicht mehr Mitglied des Literarischen Quartetts im ZDF. Aber wer den streitlustigen und streitbaren Schriftsteller und Kolumnisten ebenfalls vermisst (auch wenn Billers Nachfolgerin Thea Dorn mindestens genau so klug und nicht minder streitlustig ist), der kann sich jetzt über den soeben aufgetauchten Sammelband „Hundert Zeilen Hass“ mit Maxim Billers geistreich-provokanten Kolumnen aus der Zeitschrift TEMPO erfreuen.

Über einhundert Mal schrieb Biller zwischen 1987 und 1996 (und bis 1999 für das ZEIT-Magazin) Monat für Monat schonungslos ehrlich gesellschaftskritische Kommentare über Deutschland und die Deutschen (die bis heute ihre Gültigkeit haben) und hatte dafür einen völlig neuen Ton in den deutschen Journalismus gebracht. In seinen „Hundert Zeilen Hass“ nimmt er kein Blatt vor den Mund und lässt niemanden unverschont. Denn „Hass, damit das endlich klar ist, bedeutet Wahrheit – und etwas mehr Ehrlichkeit“, so Biller über seine Intention.

Man kann die Texte chronologisch von den 80ern bis in die späten 90er hinein lesen, oder auch im Personen-Register nach namhaften Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens suchen, über die Biller dann in den jeweiligen Kolumnen polemisch und zugleich geistreich-witzig im „Namen der Wahrheit“ sein Urteil fällt.

Die Wirkung und Auswirkung seiner Kolumne bringt die taz sehr treffend auf den Punkt: „Hundert Zeilen Hass machte Maxim Biller zur Marke. Und zum Außenseiter“. Zu einem vielbeachteten und vielfach geachteten Außenseiter, dessen Texte nun noch einmal vollständig in dem bei Hoffman und Campe veröffentlichten Sammelband gelesen und genossen werden können. Denn ganz anders als bei der Flut heutiger Hasstiraden, die durch die sogenannten Sozialen Medien geistern, ist bei diesen geist-reichen Schriftstücken eines gewiss: Niemand hasst virtuoser, fundierter und zugleich liebevoller als der Kolumnist und Schriftsteller Maxim Biller.

Eine Buchempfehlung von Christian Finger

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