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Friedenaus Nobelpreisträger

Ein Beitrag von Eva Liebchen

 

SwetlanaAlexijewitsch2 klein(c)MargaritaKabakowa

Friedenau wird immer mehr zur Zwischenstation auf dem Weg zum Nobelpreis. Das konnte nun auch die diesjährige Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch feststellen. (Foto: © Margarita Kabakowa)

Liegt es an der gesunden Luft? Schon im vorvorigen Jahrhundert priesen die Friedenauer sie mit Hinweis auf die geringe Sterblichkeitsrate an. Allerdings war das wohl eher darauf zurückzuführen, dass das Auguste-Viktoria-Krankenhaus, in dem die meisten Friedenauer starben, auf Schöneberger Gebiet lag und so nicht in die Friedenauer Statistik einging.

Ein Immobilienmakler dichtete um 1890: „Feldalleen und Blütenduft vor der Weltstadt Tor. / Schöne Häuser, frische Luft. Alles find’st Du vor. / Drum willst Du behaglich leben, billig gut und schlau, / lass den weisen Rat Dir geben: Zieh nach Friedenau!”

Attraktiv und anregend ist Friedenau geblieben. 1999 erhielt Günter Grass, einst in der Niedstraße ansässig, den Nobelpreis für Literatur für sein Gesamtwerk,  2009 folgte die Friedenauerin Herta Müller.

Nun in diesem Jahr der Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch, die schon während ihres Berlin-Aufenthalts 2011/12 als DAAD-Stipendiatin in einer Künstler-Programm-Wohnung in der Wielandstraße Friedenauer Luft geschnuppert hat. Darüber weiß Christa Moog, Inhaberin des Friedenauer Literatur-Hotels in der Fregestraße und selbst Literatin („Aus tausend grünen Spiegeln”) anschaulich zu berichten, denn bei ihren Berlin-Aufenthalten – zuletzt unmittelbar nach der Nobelpreisverleihung – steigt Swetlana nicht etwa im noblen Adlon ab, was ihr ihr Verlag sicherlich ermöglichen würde, sondern in vertrauter Umgebung im verträumten Literaturhotel in der Friedenauer Fregestraße. Mit Christa Moog kann sie sich in Russisch unterhalten, das diese noch ganz gut aus ihrer Schulzeit beherrscht.

Alle drei Preisträger/innen kann man ohne Zweifel zu den politischen Literaten zählen. Und in erster Linie Carl von Ossietzky, der Ende der Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts nach Friedenau zog, aber erst 1936 – schon sterbenskrank im Westend-Krankenhaus – den Friedensnobelpreis erhielt, was die Nationalsozialisten lange zu verhindern versucht hatten. Er wohnte – immer möbliert und immer zum Schutz ohne Namensschild – an verschiedenen Orten in Friedenau in der Gegend um den Südwestkorso.

Aber auch viele andere engagierte Autorinnen und Autoren waren hier zu Hause. Man denke nur an Karl Kautsky, Rosa Luxemburg, Uwe Johnson, Erich Kästner, Hans Magnus Enzensberger, Kurt Hiller, Max Frisch und Georg Hermann.

„Komm mit nach Friedenau, da ist der Himmel blau …”

 

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