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Der Februar-Buchtipp der Buchhandlung Thaer: Mohsin Hamid "Exit West"

Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Feb 18Mohsin Hamid

Exit West

Übersetzt von Monika Köpfer

Dumont

22 Euro

 

Mohsin Hamid, geboren in Pakistan,lebte nach einem Harvard Studium in New York und London, heute wieder in Lahore. Nach seinen Romanen „Der Fundamentalist der keiner sein wollte“ und „So wirst du stinkreich im boomenden Asien“ legt er nun mit „Exit West“ ein beeindruckendes Buch vor, das einen grandiosen Genremix aus Zukunftsroman, sozialem wie magischem Realismus und einer Liebesgeschichte darstellt.

Themen des Romans sind Flucht und Migration. In Nadjas und Saaeds fiktivenm islamischen Land übernehmen Extremisten die Macht, ein schrecklicher Bürgerkrieg bricht aus. Die beiden fliehen, genauer gesagt, sie gehen durch eine „schwarze Tür“, eine Tür, wie wir sie aus Märchen kennen: Man geht hindurch und landet in einer anderen Welt. Diesmal ist es Mykonos, später wird es London sein, noch später San Francisco.

Die ganze Welt ist auf den Beinen, durch massenhafte Migrationswanderungen verändert sich alles überall. Helfende und mitfühlende Menschen kommen vor, aber auch viele, die mit Hass und Gewalt auf die Fremden reagieren. Ebenso gibt es Flüchtlinge, die mit Fleiß und Kraft ein neues Leben aufbauen wollen, wie auch jene, die ihren Hass mitgebracht haben.

Hamid schreibt ruhig, ja elegant und liebevoll über unruhige und schlimme Zeiten. Er bringt uns Gefühle nahe, von denen wir hoffen, sie nicht selbst erleben zu müssen: die Angst vor Bomben und Schüssen, die Angst davor, seine Wohnung zerstört zu finden, vergewaltigt zu werden, sein Leben im Bürgerkrieg oder auf der Flucht zu verlieren, die Angst, in den Zufluchtsorten unerwünscht zu sein und die Hoffnung, weiterleben zu dürfen.  Der Autor bleibt ganz nahe bei seinen Protagonisten, diesem ungleichen Paar, das sich trotz des Wissens, sich in der Fremde mehr denn je zu brauchen, immer weiter voneinander entfernt.

Ich bin fasziniert von der unvergleichlichen Art, wie Hamid sowohl leise Melancholie wie auch Trost und Hoffnung in diesen Roman, der vom Thema her auch einfach nur schrecklich und traurig sein könnte, mit einfließen lässt.
Ein richtig großer Roman!

Elvira Hanemann

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