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Das Aus kam vor 75 Jahren – die Comedian Harmonists

Ein Beitrag von Eva Liebchen



Das haus in der Stubenrauchstraße 47, in dessen Mansarde die Comedian Harmonists geründet wurden.

Foto: Eva Liebchen

Von ihrer Gründung erzählt die Tafel am Haus Nr. 47 in der Friedenauer Stubenrauchstraße: „In einer Mansarde dieses Hauses wurden zur Jahreswende 1927/28 auf Initiative von Harry Frommermann mit Robert Biberti, Erwin Bootz, Erich Collin, Roman Cycowski und „Ari“ Leschnikoff die „Comedian Harmonists“ gegründet. Das weltberühmte Vokalensemble wurde 1935 durch die erzwungene Emigration der drei jüdischen Mitglieder getrennt“. Zwischen diesen Jahreszahlen spielte sich eine fast unglaublich Erfolgsgeschichte sechs hochbegabter Musiker ab, die vor 75 Jahren durch einen Beschluss der Reichsmusikkammer ein für Deutschland unrühmliches Ende nahm.

Frommermann, gerade volljährig und ohne musikalische Ausbildung, hatte im Berliner Lokalanzeiger eine Anzeige aufgegeben, worin er nach „schönklingenden Stimmen“ suchte. Er hatte eine Vokalgruppe nach dem Vorbild der sehr populären US-amerikanischen „The Revelers“ im Blick. Es dauerte aber noch ein halbes Jahr, bis sich sechs Musiker - fünf Sänger und ein Pianist - gefunden hatten. Und ein weiteres Vierteljahr bis zu ihrem ersten Engagement bei dem Berliner Varietékönig Erik Charell, der ihnen auch den Namen „Comedian Harmonists“ und eine Abendgage von 120 Reichsmark gab. Schon ihr erster Auftritt aber war ein voller Erfolg und ab 1930 reichte eine Zeitungsanzeige als einzige Werbung, um ausverkaufte Säle für das Vokalensemble zu garantieren. Es folgten Plattenaufnahmen, Filme, Rundfunkauftritte und Gastspiele in Paris und New York. Ihr Jahreseinkommen stieg auf bis zu 60.000 Reichsmark je Musiker. Mit einem Vertrag hatten sie lange vor ihrem großen Erfolg vereinbart, ihre Einkünfte gleichmäßig auf alle zu verteilen.

Ab 1933 erhielten sie, die jetzt mit 150 Konzerten jährlich ihren Höhepunkt erreicht hatten, erste Konzertabsagen, verursacht durch das Reichskulturkammergesetz, das forderte, dass jeder Künstler Mitglied der „Reichskulturkammer“ sein muss, wenn er weiter arbeiten will. Und  Goebbels machte 1934 unmissverständlich klar, dass Juden nicht Kammermitglied werden können. Drei der Comedian Harmonists waren Juden; das kam faktisch einem Auftrittsverbot gleich. Als einzige Möglichkeit blieben Auslandstourneen nach Dänemark, Norwegen, in die USA und sogar ins faschistische, aber nicht judenfeindliche Italien. Im Februar 1935 hatten sie ihren letzten gemeinsamen Auftritt in Norwegen und nahmen im Electrola-Studio in Berlin, das 69 Schallplatten von ihnen herausgebracht hatte, ihren letzten vielsagenden Titel „Morgen muss ich fort von hier“ auf. Die drei „Arier“ wurden in die Reichsmusikkammer aufgenommen, mussten jedoch einen deutschen Namen (Meistersextett) annehmen. Die Nichtarier gingen ins Ausland. Der Vertrieb aller bisheriger Platten wurde verboten. Die verbliebene Gruppe konnte sich nach künstlerischen Differenzen nicht lange halten und auch die Exilgruppe zerfiel 1941, nachdem sie noch große Erfolge mit den Titeln „Tausendmal war ich im Traum bei Dir/Drüben in der Heimat“ und der humorigen Aufnahme „Ich wollt’ ich wär’ ein Huhn“ hatten. Alle sechs Mitglieder der Comedian Hamonists überlebten den Zweiten Weltkrieg, traten aber nie wieder gemeinsam auf. 1998 erhielten sie posthum den Musikpreis „Echo“ für ihr Lebenswerk.

 

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