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Der August-Tipp der Buchhandlung Thaer: Marina Leky "Was man von hier aus sehen kann"

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Thaer Aug 17

Mariana Leky

Was man von hier aus sehen kann

Dumont Verlag

20 Euro

 

Mariana Leky, gelernte Buchhändlerin, studierte u. a. Germanistik, Kulturjournalistik und Kreatives Schreiben, hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht.

Ich bin jedoch sicher, dass ihr mit diesem neuen Roman der Durchbruch gelingen wird, ja eigentlich sogar muss. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, dem es so hervorragend gelingt, gleichzeitig ein „Wohlfühlbuch“ zu sein, eines in das man sich so richtig reinkuscheln möchte, und das dennoch mit Phantasie, präzisen Bildern und großartigen Beschreibungen des Romanpersonals überzeugt.

Luise, die Ich-Erzählerin lebt zusammen mit ihrer Großmutter Selma in einem Dorf im Westerwald. Ihre Eltern denken zwar dauernd darüber nach sich zu trennen, doch Luise fühlt sich bei Selma und „dem Optiker“, der eine Art Großvaterersatz für sie ist, wohl und gut aufgehoben. Bis Selma wieder mal von einem Okapi träumt… Jeder weiß, was das bedeutet: es wird jemand aus dem Dorf sterben! In den nächsten 24 Stunden versuchen alle heimlich, noch schnell unfertige Baustellen in ihrem Leben zu bearbeiten. Obwohl alle – besonders Selma selbst – das Ganze als dummen Aberglauben abtun, stirbt tatsächlich jemand, der Luise sehr nahe steht. Jahre später tritt ein buddhistischer Mönch in ihr Leben und damit auch die Liebe, die sich sehr kompliziert gestaltet. Ich sage nur „Fernstbeziehung“…

Hört sich bisher nach einer banalen, etwas bemühten Geschichte an? Das hätte ich durchaus auch denken können, doch dagegen steht Mariana Lekys ungewöhnlicher Schreibstil. Spätestens wenn man das Kapitel gelesen hat, in dem sich der Optiker mit seinen inneren Stimmen auseinandersetzt, die ihm abraten, Selma seine Liebe zu gestehen, ist man ihrem Stil verfallen. Humorvoll, ironisch und dabei warmherzig und intelligent – das ist richtig gut!

Elvira Hanemann

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