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Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Mai 18

 

Milena Michiko Flašar

Herr Katō spielt Familie

Wagenbach Verlag 20 Euro

 

Milena Michiko Flasar, 1980 in St. Pölten als Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters geborgen, hat in Wien und Berlin Komparatistik, Germanistik und Romanistik studiert. Nach ihrem schönen, ebenfalls im Wagenbach Verlag erschienenen „Ich nannte ihn Krawatte“ legt sie nun ihren neuen Roman vor.

Herr Katō lebt mit seiner Frau alleine in ihrem schönen Haus irgendwo in Japan auf dem Hügel, die Kinder sind aus dem Haus, er ist in Rente und weiß wenig mit sich anzufangen. Den Plan, mit seiner Frau nach Paris zu fahren verschiebt er immer weiter, die Träume von einem kleinen weißen Spitz tauchen auf und ziehen vorbei und sein Vorhaben, den alten Kollegen Ito zu besuchen – ach ja, irgendwann mal…

Während Herr Katō eigentlich mehr oder weniger gar nichts macht, belegt seine Frau einen Tanzkurs und blüht auf, während er sich noch nicht mal dazu aufraffen kann, das alte Radio zu reparieren. Eines Tages lernt er im Park Mie, eine junge Frau kennen, die ihn durch ihre entschlossene Art nahezu überrumpelt und ihn dazu bringt, als „Stand-in“, für ihre „Happy-Family“-Agentur zu arbeiten. Er wird dort schauspielern – als Ersatzgroßvater, als Hochzeitsgast oder als Ehemann, wo er „Familie spielt“ – für andere –, während seine eigene Familie ihm immer fremder wird.

Mit stilistischer Leichtigkeit und heiterer Melancholie erzählt Flasar von unterschiedlichsten Schicksalen, von Menschen die zu wenig miteinander sprechen, zu vieles verschweigen und auch vom Älterwerden. Ein warmes, einfühlsames, unaufgeregtes, zartes und sehr schönes Buch!

Elvira Hanemann

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Thaer Apr 18

Szczepan Twardoch

Der Boxer

Übersetzer: Olaf Kühl

Rowohlt Verlag  22,95 Euro



Twardoch, geb. 1979, hatte seinen Durchbruch 2012 mit „Morphin“, für seinen Roman „Drach“ erhielt er den höchsten Literaturpreis Polens „Nike“ . Sein neuer Roman „Der Boxer“  bekommt nicht nur in den Feuilletons hervorragende Besprechungen, sondern kommt auch bei den Lesern sehr gut an.

Kein Wunder, denn es handelt sich um ein Buch, das ich – einmal angefangen – nicht mehr aus der Hand legen konnte und wollte. Die Handlung spielt in Warschau des  Jahres  1937, Jakub Shapiro ist ein großartiger Boxer, Jude, ein attraktiver Mann und Mitglied einer mafiösen Bande. Beim Eintreiben der Schutzgelder befolgt er die Anweisungen des „Paten“ und tötet Naum Bernstein, einen frommen Juden, der sich weigerte, Schutzgeld zu zahlen. Dessen  halbwüchsiger Sohn – der Ich-Erzähler  des Romans– wird jedoch in die Familie Shapiros aufgenommen.

Neben der eigentlichen Handlung, die sich Shapiros Leben, seiner Familie, der „Arbeit“, dem Boxen und seinen Liebschaften widmet, werden auch die politischen Kämpfe im Vorkriegs-Warschau dargestellt.  Das Aufkommen der faschistischen Gruppen, das Festhalten der Sozialisten an ihren Idealen, der erstarkende Zionismus, aber auch die wie selbstverständlich erscheinenden Verbindungen quasi aller politischen Gruppierungen mit kriminellen Banden vermittelt uns Twardoch mit einer unglaublichen literarischen Kraft. Eine Atmosphäre des drohenden Unheils schwebt über der Stadt, man spürt geradezu die dunkle Wolke, die sich –nicht nur – über den polnischen Juden zusammenzieht.

Es gibt hier (nahezu) keine Guten, doch sehr viele Böse, sehr viel Gewalt und Brutalität. Auch wenn das an manchen Stellen fast zu intensiv ist, zieht einen das Buch dank seiner bildmächtigen Sprache, und des sinnlich-mitreißenden Stils absolut in seinen Bann. Durch eine kluge Erzählperspektive entstehen dann noch einige überraschende Wendungen, die verblüffen und begeistern.

Szczepan Twardoch  ist eine echte Entdeckung, ein Autor von hohem Format – literarisch anspruchsvoll und extrem spannend!

Elvira Hanemann

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Thaer Mrz 18

Arno Geiger

Unter der Drachenwand

Hanser Verlag

26 Euro

 

Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, arbeitete nach einem Studium der Deutschen Philologie, Alten Geschichte und Vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien und Innsbruck  als Videotechniker.  Seit er 1996 zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb eingeladen wurde, ist er freier Schriftsteller. Mit „Es geht uns gut“ (2005) war er der erste Träger des Deutschen Buchpreises.  Nach seinem großen Erfolg mit „Der alte König in seinem Exil“ und weiteren Büchern hat er nun wieder einen neuen Roman veröffentlicht.

Wir befinden uns im Jahre 1944 in einem kleinen österreichischen Ort namens Mondsee. Ein Ort gleich neben einem Berg, der Drachenwand. Veit Kolbe, Soldat, kehrt wegen einer schweren Verwundung auf Urlaub aus dem Russlandeinsatz zurück nach Wien. Bei seiner Familie, überzeugten Nazis, hält er es nicht aus, er zieht aufs Land nach Mondsee. Er wartet auf das Ende des Krieges, doch er hat große Angst, wieder eingezogen zu werden.

Ein möbliertes Zimmer bei einer nur vom Endsieg faselnden Zimmerwirtin, zögerliche Kontakte zu einer Lehrerin eines nahegelegenen Schullandheims, Gespräche mit einer wachen Schülerin sowie eine scheue Freundschaft mit den gärtnernden Nachbarn, dem „Brasilianer“ prägen sein Leben dort. Seine Zimmernachbarin, eine junge Mutter, deren Mann im Krieg ist, wird seine Geliebte. Veit, immer wieder von traumatischen Kriegserinnerungen heimgesucht und gegen seine Depression ankämpfend, findet in dieser Liebe Trost und so etwas wie die Ahnung von Glück und einem guten Leben.

Absolut bemerkenswert ist Arno Geigers Kunst, aus Briefen, Tagebuchnotizen und anderen Aufzeichnungen einen so „wahren“  Roman entstehen zu lassen, der mich an manchen Stellen glauben macht, ich höre meine Großeltern und deren Zeitgenossen sprechen. Er erzählt mit einer undramatisch daherkommenden Lakonie von der Absurdität des Krieges, die gerade wegen des nüchternen Tons unheimlich berührt. Ich fand Geiger schon immer gut, aber dieses Buch ist nochmal um vieles besser als alles was er bisher geschrieben hat. Ein echtes Meisterwerk!

Elvira Hanemann

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Thaer Feb 18Mohsin Hamid

Exit West

Übersetzt von Monika Köpfer

Dumont

22 Euro

 

Mohsin Hamid, geboren in Pakistan,lebte nach einem Harvard Studium in New York und London, heute wieder in Lahore. Nach seinen Romanen „Der Fundamentalist der keiner sein wollte“ und „So wirst du stinkreich im boomenden Asien“ legt er nun mit „Exit West“ ein beeindruckendes Buch vor, das einen grandiosen Genremix aus Zukunftsroman, sozialem wie magischem Realismus und einer Liebesgeschichte darstellt.

Themen des Romans sind Flucht und Migration. In Nadjas und Saaeds fiktivenm islamischen Land übernehmen Extremisten die Macht, ein schrecklicher Bürgerkrieg bricht aus. Die beiden fliehen, genauer gesagt, sie gehen durch eine „schwarze Tür“, eine Tür, wie wir sie aus Märchen kennen: Man geht hindurch und landet in einer anderen Welt. Diesmal ist es Mykonos, später wird es London sein, noch später San Francisco.

Die ganze Welt ist auf den Beinen, durch massenhafte Migrationswanderungen verändert sich alles überall. Helfende und mitfühlende Menschen kommen vor, aber auch viele, die mit Hass und Gewalt auf die Fremden reagieren. Ebenso gibt es Flüchtlinge, die mit Fleiß und Kraft ein neues Leben aufbauen wollen, wie auch jene, die ihren Hass mitgebracht haben.

Hamid schreibt ruhig, ja elegant und liebevoll über unruhige und schlimme Zeiten. Er bringt uns Gefühle nahe, von denen wir hoffen, sie nicht selbst erleben zu müssen: die Angst vor Bomben und Schüssen, die Angst davor, seine Wohnung zerstört zu finden, vergewaltigt zu werden, sein Leben im Bürgerkrieg oder auf der Flucht zu verlieren, die Angst, in den Zufluchtsorten unerwünscht zu sein und die Hoffnung, weiterleben zu dürfen.  Der Autor bleibt ganz nahe bei seinen Protagonisten, diesem ungleichen Paar, das sich trotz des Wissens, sich in der Fremde mehr denn je zu brauchen, immer weiter voneinander entfernt.

Ich bin fasziniert von der unvergleichlichen Art, wie Hamid sowohl leise Melancholie wie auch Trost und Hoffnung in diesen Roman, der vom Thema her auch einfach nur schrecklich und traurig sein könnte, mit einfließen lässt.
Ein richtig großer Roman!

Elvira Hanemann

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Thaer Jan 18 1Markus Dirr & Luis Hanemann

Irgendwas mit Internet

Hanser Fachbuchverlag

30 Euro

 

Wie viele von Ihnen schon durch unsere Buchvorstellung vom 10. Januar wissen, hat unser Sohn Luis gemeinsam mit Markus Dirr ein Buch geschrieben. Wir freuen uns sehr darüber und möchten natürlich auch gerne zur Verbreitung und zum Bekanntwerden dieses Buches beitragen.

Es ist uns bewusst, dass wir normalerweise keine Wirtschaftsfachbücher hier vorstellen und dass wir sie sonst auch nicht im Programm haben. Wir sind ja vorwiegend eine belletristische Buchhandlung. Aber eben nicht nur! Und wer sagt denn, dass es nicht auch unter Ihnen Menschen gibt, die sich für die Digitalisierung der Wirtschaft interessieren?

Deshalb erlauben wir uns, diesmal „Irgendwas mit Internet – Mit der 45 Min.-Toolbox auf die digitale Erfolgsspur“ als Buch des Monats vorzustellen: Dr. Markus Dirr und Luis Hanemann sind jeweils seit gut 17 Jahren im digitalen Marketing tätig. Sei es als Gründer, Firmenpartner oder als Führungskräfte und als Investoren. Als anerkannte Experten der Zukunftsthemen Change Management und Online-Marketing sind sie gefragte Ansprechpartner.

Das Buch stellt sich die Frage wie Unternehmen digital erfolgreich – oder auch erfolgreicher – werden können. Dafür muss erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht werden „Wo stehen wir?“.
Danach wird auf die Frage „Wo wollen wir eigentlich hin, was ist unser Ziel?“ eingegangen um mit möglichen Antworten zu schließen: „Was müssen wir tun?“ In übersichtlichen und klar aufgeteilten Kapiteln wird beispielsweise erklärt wie man eine „Activity Map“ (ein Netz-Diagramm) aufbaut und wie sie funktioniert oder wie man durch kluge Nutzung von Plattform-Ökonomie andere zu beiderlei Nutzen für sich arbeiten lässt. Beispiele finden sich auch dafür, wie Netzwerke als Wachstumskatalysator genutzt werden können oder wie man durch ein verändertes Mindset auf sinnvolle neue Ideen kommt.

Ein Buch, das sich an Unternehmen verschiedenster Größe, an Verantwortliche in Unternehmen, an Start-ups wie auch an interessierte Laien richtet.

Elvira Hanemann

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