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Buchhandlung Thaer, Bundesallee 77, 12161 Berlin, Tel.: 030/852 79 08, Fax: 030/852 33 35, E-Mail: mail(at)thaer.de

 

Thaer Jan 18 1Markus Dirr & Luis Hanemann

Irgendwas mit Internet

Hanser Fachbuchverlag

30 Euro

 

Wie viele von Ihnen schon durch unsere Buchvorstellung vom 10. Januar wissen, hat unser Sohn Luis gemeinsam mit Markus Dirr ein Buch geschrieben. Wir freuen uns sehr darüber und möchten natürlich auch gerne zur Verbreitung und zum Bekanntwerden dieses Buches beitragen.

Es ist uns bewusst, dass wir normalerweise keine Wirtschaftsfachbücher hier vorstellen und dass wir sie sonst auch nicht im Programm haben. Wir sind ja vorwiegend eine belletristische Buchhandlung. Aber eben nicht nur! Und wer sagt denn, dass es nicht auch unter Ihnen Menschen gibt, die sich für die Digitalisierung der Wirtschaft interessieren?

Deshalb erlauben wir uns, diesmal „Irgendwas mit Internet – Mit der 45 Min.-Toolbox auf die digitale Erfolgsspur“ als Buch des Monats vorzustellen: Dr. Markus Dirr und Luis Hanemann sind jeweils seit gut 17 Jahren im digitalen Marketing tätig. Sei es als Gründer, Firmenpartner oder als Führungskräfte und als Investoren. Als anerkannte Experten der Zukunftsthemen Change Management und Online-Marketing sind sie gefragte Ansprechpartner.

Das Buch stellt sich die Frage wie Unternehmen digital erfolgreich – oder auch erfolgreicher – werden können. Dafür muss erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht werden „Wo stehen wir?“.
Danach wird auf die Frage „Wo wollen wir eigentlich hin, was ist unser Ziel?“ eingegangen um mit möglichen Antworten zu schließen: „Was müssen wir tun?“ In übersichtlichen und klar aufgeteilten Kapiteln wird beispielsweise erklärt wie man eine „Activity Map“ (ein Netz-Diagramm) aufbaut und wie sie funktioniert oder wie man durch kluge Nutzung von Plattform-Ökonomie andere zu beiderlei Nutzen für sich arbeiten lässt. Beispiele finden sich auch dafür, wie Netzwerke als Wachstumskatalysator genutzt werden können oder wie man durch ein verändertes Mindset auf sinnvolle neue Ideen kommt.

Ein Buch, das sich an Unternehmen verschiedenster Größe, an Verantwortliche in Unternehmen, an Start-ups wie auch an interessierte Laien richtet.

Elvira Hanemann

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Thaer Jan 18 2Heinz Decker / Utz Benkel

Raus aus der Bärenhöhle

Benkel Verlag

15 Euro

 

 

Diese zwölf Abenteuer einer Bärenfamilie richten sich an kleinere Kinder von etwa 3 bis 6 Jahren.

Der Bärenjunge Purzel lernt die Welt außerhalb seiner kleinen und gemütlichen Bärenhöhle kennen. Dabei erlebt er, manchmal alleine, manchmal gemeinsam mit seinem Schwesterchen Lindy allerlei Abenteuer. Sich im Wald zu verlaufen und nicht mehr zur Höhle zurückfinden, das ist gar nicht schön, aber zum Glück gibt es eine aufmerksame kleine Blaumeise, die nicht nur hilft, sondern auch zum guten Freund wird. In einer anderen Geschichte droht der Fluss als Gefahr, in wieder einer anderen wehren sich die Bienen gegen das Stehlen ihres Honigs.

Alle Abenteuer, seien sie auch ein wenig gefährlich, gehen aber gut aus. In vielen der Geschichten erfinden die Tiere eigene Lieder mit lustigen Reimen und zum Schluss haben Papa und Mama Bär, die Idee ein Sängerfest für alle Tiere des Waldes auszurufen.

Ein richtig nettes Bilderbuch, das man auch hervorragend als Gute-Nacht-Geschichten-Sammelband nutzen kann. Der Illustrator Utz Benkel ist übrigens der Galerist, der viele Jahre die Pop Art Galerie nebenan Adresse der Buchhandlung Thaer siehe oben, d. Red.) betrieben hat.

Elvira Hanemann

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Thaer Dez 17

Zeithain

Schöffling Verlag

28 Euro

 

Michael Roes ist kein Unbekannter mehr, immerhin ist dies sein zwölfter Roman, doch der ganz große Durchbruch ist bisher ausgeblieben. Ich würde ihm wünschen, dass er mit diesem Roman kommt!

Es geht um Hans Hermann von Katte, den Jugendfreund Friedrichs des Großen. Man erinnert sich: Friedrich war ein sensibler junger Mann, der unglaublich unter seinem strengen Vater litt. Gemeinsam mit seinem Freund Katte möchte er, während eine Militärparade in Zeithain stattfindet, die – so hoffen die beiden – den Vater ablenkt, ins Ausland fliehen. Doch es kommt zur Entdeckung und Katte wird vor den Augen Friedrichs hingerichtet. Dieses einschneidende Erlebnis traumatisiert und verändert Friedrich für immer.

Roes lässt diese historischen Abläufe aus dem Blickwinkel Philip Stanhopes, eines Nachfahren Kattes erzählen. Dieser findet alte Briefe einer Tante, diese bringen ihn dazu, die Orte des Dramas aus dem 18. Jahrhundert aufzusuchen und die alte Geschichte zu rekonstruieren.

Der Autor hat sehr viel und genau recherchiert, doch handelt es sich keineswegs um eine historische Biografie. Viel zu sehr fühlt er sich in sein Romanpersonal ein, verleiht ihm persönliche Gedanken, Gefühle und Tiefe. Manches im Roman ist auch ein wenig surreal, anderes wiederum sehr deftig, gerade was Körperliches anbelangt. Homoerotische Beziehungen waren damals zwar natürlich genau so verbreitet wie heute, aber nur mit sehr viel mehr Unterdrückung und Heimlichkeiten möglich. Wenn es um so in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten ging wie hier, dann war das einfach „unmöglich“.

Michael Roes schreibt die Geschichte aus vielen verschiedenen Perspektiven, seine Sprache ist großartig! Wie er nahtlos hin- und herwechselt zwischen einem eleganten, der damaligen Zeit angepassten kunstvollen Stil und rauem authentischem Jetztzeitjargon, kann ich nur bewundern.

Ein großes, absolut überzeugendes Buch!

Elvira Hanemann

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Thaer Nov 17Daniel Kehlmann „Tyll“

Rowohlt Verlag

22,95 Euro

 

Daniel Kehlmann wurde 1975 in Wien geboren, er studierte Germanistik und Philosophie. Man muss ihn spätestens seit seinem bahnbrechenden Erfolg von „Die Vermessung der Welt“ (2005) niemandem mehr vorstellen. Kehlmann schreibt Romane, Erzählungen, Essays, Vorlesungen und literaturwissenschaftliche Beiträge. Er ist einer der renommiertesten Vertreter der Gegenwartsliteratur.

In seinem neuen Roman spielt Tyll Ulenspiegel die Hauptrolle. Doch schon damit verblüfft uns der Autor, denn der echte Eulenspiegel, falls es ihn wirklich gegeben hat, lebte der Überlieferung nach im frühen 14. Jahrhundert. Kehlmann versetzt ihn aber in den 30-jährigen Krieg, also ins 17. Jahrhundert. Er erzählt von Leiden, Verfolgung, Inquisition, Hexenjagden, von Folter, Hunger, tiefster Armut, politischen Intrigen, Machtkämpfen und immer wieder von Krieg, Krieg, Krieg.

Der kleine Tyll, Sohn eines für seinen Stand viel zu wissensdurstigen Müllers, muss seine Heimat verlassen, nachdem sein Vater als Ketzer von der Inquisition hingerichtet und seine Mutter vertrieben wurde. Er flieht gemeinsam mit Nele, einem Mädchen aus dem Dorf, die ihm früh schon zugeraten hatte, seine Seiltanzversuche ja nicht aufzugeben, denn es sei immer gut, etwas zu haben, was einen von anderen unterscheidet. Gemeinsam mit Nele schlägt er sich durch, sie schließen sich Gauklern und dem fahrenden Volk an, Tyll wird bald berühmt und berüchtigt im ganzen Land. Sein unwahrscheinliches Geschick und seine Tricks bringen die Menschen zum Lachen - und das haben sie in diesen bitteren Zeiten mehr als alles andere nötig. Wir lernen den „Winterkönig“ Friedrich von der Pfalz und seine Frau Elizabeth Stuart kennen , auch Gustav Adolf, den Schwedenkönig und viele andere historische Persönlichkeiten, immer aber auch arme Leute wie Soldaten oder Bergarbeiter. Tyll selbst bleibt ein höchst interessanter und rätselhafter Charakter.

Wer sich einen historischen Aufklärungsroman erhofft, wird möglicherweise unzufrieden sein mit „Tyll“, man „erfährt“ zu wenig über den 30-jährigen Krieg (doch es gibt ja gute Sachbücher darüber). Wer sich jedoch einen packenden, klug konstruierten, gewitzt und elegant geschriebenen Roman erhofft, den man absolut nicht mehr aus der Hand legen mag, der ist hier bestens bedient.

Ein großes Lesevergnügen!

Elvira Hanemann

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Thaer Okt 17Zadie Smith

Swingtime

Übersetzt von Tanja Handels

Kiepenheuer und Witsch Verlag

24 Euro

 

Zwei kleine Mädchen in London, in einer Sozialsiedlung… Die Ich-Erzählerin lebt mit ihrer schwarzen Mutter und ihrem weißen Vater zusammen, der Vater ist ein freundlicher, eher schlichter Mensch, die Mutter hingegen überholt ihn immer mehr, sie wird intellektueller, ehrgeiziger und politisch engagierter. Auf Dauer hält diese Beziehung das Auseinanderdriften nicht aus. Das kleine Mädchen liebt beide, doch sie wird sich zeitlebens von ihrer Mutter überfordert fühlen und der Vater wird sich als nicht stark genug erweisen.

Die Handlung setzt ein, als das – namenlos bleibende – Kind im Ballettunterricht auf Tracey trifft. Ein Mädchen mit einem enormen Talent , die den Tanz liebt und ihre Freundin – denn Freundinnen werden sie trotz der Abneigung ihrer Mütter bald werden – dabei mitreißt. Traceys Mutter – keine Spur von Bildungsstreben ist hier zu sehen – ist weiß, ihr Vater schwarz, doch dieser ist ein meist abwesender Vater. Die beiden sehen sich begeistert Tanzfilme an, besonders begeistert sie „Swingtime“ mit Fred Astaire und Ginger Rogers, davon können sie nicht genug bekommen. Später verlieren sich die Freundinnen aus den Augen, Tracey gelingt es in eine renommierte Tanzschule zu gehen, dazu reicht das Talent der Ich-Erzählerin nicht aus.

Diese wird in ihrem jungen Erwachsenenleben die persönliche Assistentin eines weiblichen Rockstars. Sie zieht mit ihr durch die ganze Welt, sehr oft nach Gambia wo Aimee (die durchaus an Madonna erinnert) nicht nur Musikauftritte hat, sondern sich auch sozial engagiert und Kinder adoptiert. Sehr pointiert zeichnet Smith dieses Jet-Set-Leben mit all seinen Ambivalenzen auf. Erst viel später trifft die Ich-Erzählerin wieder auf Tracey, mit der sie gebrochen hatte, auch ihre Mutter tritt wieder in ihr Leben ein.

Interessant ist bei dem neuen Roman von Zadie Smith (eine Autorin, die ich seit ihrem großartigen Debüt von 2001 „Zähne zeigen“ sehr schätze!), neben der Handlung auch die ungewöhnliche Erzählhaltung. Normalerweise führen in Ich-Form geschriebene Texte zu einer schnellen Identifizierung mit der Hauptperson. Durch ihre namenlose Anonymität und einem distanzierten Blick auf sich selbst wird das aber hier gebrochen. So sehr man sich auch interessiert für die Freundschaft der jungen Mädchen, für ihre Entwicklung als junge Frauen und für das abwechslungsreiche Leben als Teil einer Star-Truppe, die zwischen Europa, New York und Westafrika in schnellem Wechsel hin- und hersaust, bleibt doch immer ein gewisser Abstand zu den Protagonisten.

Zadie Smiths „Swingtime“ steht auf der Longlist zum Bookerpreis 2017. Ich drücke ihr und diesem guten Roman die Daumen!

Elvira Hanemann

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